Unsere USA-Aufenthalte beschränken sich bisher auf eine Tour durch den Westen sowie eines Besuches von New York zur Weihnachtszeit.
Die Westroute war die Fortsetzung einer Kanada-Tour mit dem Pickup, die uns über Seattle in die Regenwälder von Washington und dann weiter entlang der wilden Pazifik-Küste von Oregon bis hinunter nach San Franzisco in Kalifornien führte. Die Größe der "Redwoods", der Mammutbäume, die bis zu 4000 Jahre alt sind, muss man gesehen haben. 8 Leute müssen sich an den Fänden fassen, um den Stamm zu umarmen. Durch einen führte sogar eine schmale Straße und wir sahen Autos durchfahren. Gerade wenn man von British Columbia in Kanada kommt, fällt einem der Unterschied sofort auf. Von der Natürlichkeit der Menschen und den einsamen Traumlandschaften war hier nicht mehr viel zu spüren. Ausnehmen möchten wir natürlich die Oregon-Coast, deren Wildheit einmalig bleibt. Ansonsten ist jedoch überall die Fun-Gesellschaft zu finden, die in Speed-Booten die Flüsse hinaufheizen, in Buggies durch die Sanddünen rasen oder mit heißen Motorbooten die Seen unsicher machen. Erlaubt ist, was gefällt! Es ist eben doch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Na ja, jedem das seine. Wir besuchten San Franzisco, das wir bisher nur von amerikanischen Krimis mit wilden Verfolgungsfahrten durch die hügeligen Strassen kannten. Um es vorwegzunehmen: eine Traumstadt, in der es uns in den paar Tagen bestimmt nie langweilig wurde. Trittbrettfahren mit dem Cable-Car, der durch Drahtseile gezogenen uralten Strassenbahn, wo die Passagiere heute noch mithelfen müssen, sie am jeweiligen Endpunkt umzudrehen. Der Hafen mit all den fangfrischen Spezialitäten aus dem Meer. Natürlich auch die Strassenbelustigungen jeglicher Art, von denen uns eine besonders in Erinnerung blieb: Ein Mann saß am geteerten Gehweg und hielt zwei große grünblätterige Äste in den Händen, hinter denen er sich zusammengekauert versteckt hielt. Er machte sich einen Spaß daraus, die Passanten durch Aufspringen und Astschütteln zu erschrecken, was zu 100 % gelang. Das beste, er bekam für seine gute Idee von den meisten ein paar Coins zugesteckt, wovon er offensichtlich lebte. Viele Jahre später erzählten uns Freunde nach einem Aufenthalt hier von demselben Typen mit seiner super Idee. Zu deren Verwunderung wussten wir wovon sie sprachen. Small World! Ein Besuch der ehemaligen Gefängnisinsel "Alca Traz" ist immer ein Muss. Hier wurden vor vielen Jahren die größten Verbrecher der gesamten USA zusammengefasst. Eine Flucht galt als unmöglich. Auch "Al Capone" war hier. Heute ist es nur noch ein Museum für Touristen, aber die Spuren der großen Sträflingsrevolte mit vielen Toten sowie den verschwundenen Gefangenen, die später verfilmt worden ist, sind noch zu finden.
Über den Old Sacramento und Virginia City, vorbei am Lake Tahoe mit den unzähligen "Wedding-Houses" fuhren wir weiter Richtung Reno in Nevada. Dort verbrachten wir natürlich eine Nacht in der Glimmer- und Glitzewelt der Spielhöllen und Shows, nicht ohne auch ein paar Chips zu setzen. Dabei beobachteten wir mehr die spielsüchtigen Menschen an den "Einarmigen Banditen", den Rouletttischen oder sonstigen flimmernden, laut tönenden Spielautomaten. Eine nette Tour mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen. Auf der Fahrt durchs karge Nevada konnten wir uns noch heute gut in die Lage der Siedlertrecks versetzen, die hier einst auf der Suche nach Farmland Richtung Westen zogen. Nach jeder Erhebung blickten wir auf eine weite Ebene mit einer künstlich begrünten Fläche, wo wieder ein Farmer den Kampf mit der Natur und gegen die Trockenheit aufnahm.
Auf dem Rückweg nach Vancouver in Kanada besichtigten wir noch die "Unterwelt" von Seattle, was wir jedem Besucher nur dringend empfehlen können. Wir staunten nicht schlecht, als wir auf der geführten Tour sahen, dass die neue Stadt einfach auf die alte darauf gebaut worden war. Ähnliche haben wir bisher nur in Edinburgh/Schottland gesehen.
Im Millenium-Jahr 2000 beschlossen wir beide kurzfristig, die Weihnachtstage in der Stadt New York zu verbringen. Wirklich ganz kurzfristig zogen wir zudem in Erwägung, dort zu heiraten. Wir schickten unseren kanadischen Freunden eine email nach Kamloops in British Columbia: "Liebe Freunde. Wir haben vor, Weihnachten in New York zu verbringen, Gospel zu singen, Shoppen zu gehen und ….zu heiraten. Alles, was uns fehlte war ein volljähriger Trauzeuge." So mailten wir diesen Satz an unsere kanadischen Freunde Doug und Marlene und drückten auf <SENDEN>. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Oh my God. Mit was manche Menschen so daherkommen." Dieser Punkt schien für uns erledigt, bis wir im PC die Zeilen lasen: "Je mehr wir darüber nachdenken – es gibt das eigentlich nichts Schöneres, als wenn 2 verrückte Bayern in New York heiraten möchten und 2 verrückte Kanadier kommen und Trauzeugen machen." Somit trafen wir uns im Hotel gegenüber des "Madison Square Garden" , machten die Stadt unsicher …und heirateten in der Townhall von Manhattan. Ach ja, wir waren noch auf den "Twin-Towers", die nach dem Terroranschlag einige Monate später in Schutt und Asche versanken. Natürlich waren wir auch an der "Freiheitsstatue", bei eisigen Temperaturen im Stanley- Park und auf der Tribüne des "Stock Exchange" in der Wallstreet, wo wir auch die Erklärung für unsere Aktienverluste bekamen: Das Geld ist nicht verloren – es gehört nur gerade einem Anderen. Ja, dann sind wir ja beruhigt! Weihnachten in New York ist wirklich der Wahnsinn. Wir empfanden die riesigen Weihnachtsbäume mit den fußballgroßen Kugeln sowie die phänomenalen Dekorationen in den Kaufhäusern und Straßenzügen überhaupt nicht als kitschig. Für Dorfbewohner, wie wir welche sind, war es schon äußerst beeindruckend, dass man hier im Macy`s, dem größten Kaufhaus der Welt, an 7 Tagen die Woche rund um die Uhr einkaufen kann und dabei wirklich die größte Schwierigkeit darin besteht, wieder den richtigen Ausgang zum jeweiligen Straßenzug zu finden. Natürlich besorgten wir uns Karten für das Weihnachtsmusical "Christmas Carol" und einen Tag später für eine Weihnachtsrevue am Broadway, Beginn um 22.30 Uhr. Danach dinierten wir im Korea-Town. Ihr haltet es nicht für möglich, dass alles rund um die Uhr geöffnet hat und man völlig das Zeitgefühl verliert. New York pulst halt doch etwas schneller als wir es in Schwangau im Königswinkel gewohnt sind. Ich hatte wirklich Angst, als Christine beim Überqueren einer mehrspurigen Straße nebenbei die Hochhäuser und Bauwerke von Manhattan bewunderte, ohne zu bemerken, dass die Ampel mittlerweile schon wieder umgeschaltet hatte, sie aber erst in der Fahrbahnmitte stand. Mir blieb das Herz stehen, als ich meine frisch Angetraute inmitten links und rechts vorbeifahrender gelber Taxis mit hilflosen Blicken stehen sah. Als ich sie unversehrt wieder in meinen Armen hielt, lud ich sie in ein "Starbucks Cafe" auf einen mit Haselnuß flouvered koffee ein, not to go! Ein Highlight war der weihnachtliche Kirchgang in Harlem, einst ein berüchtigtes Stadtviertel. In einer Baptistenkirche feierten wir Weihnachten, was so anders ist als zuhause. Über Stunden wird Gospel gesungen, kommuniziert und sogar getanzt. Wir haben nie vorher so viele glücklich lächelnde Gesichter in einer Kirche gesehen. Die in schickem rot gekleidete und mit großen goldenen Ohrringen versehene schwarze Dame konnte sich in Ekstase singen, ohne dass sich jemand daran störte. Das war ihre Art, Christus nahe zu sein. Auch wir zwei Allgäuer tauten langsam auf, sangen und klatschten den Gospel, den wir sowieso so sehr lieben. Ach ja, mittlerweile haben unsere Familien und Freunde die Briefe geöffnet und erfahren, dass wir nun den gleichen Nachnamen führen. Niemand wusste davon und es war eine riesengroße Überraschung. Sie haben uns nach unserer Rückkehr mit einer typisch amerikanischen Party überrascht. Zur Freude aller trugen wir an dem Abend unsere Hochzeitsklamotten: Christine eine knallenge Hose aus Schlangenlederimitation mit passendem Oberteil, alles in lila. Norbert im schwarzen Anzug mit weinrotem Glitzer-T-Shirt und grauen Turnschuhen. Nur den gelben Rucksack, den wir auf der Fahrt vom Hotel zur Townhall noch auf dem Rücken trugen, ließen wir an dem Abend weg!
The American Dream !