Das Lächeln des Buddha

...mit dem Jeep zu den Ringfrauen der "Padaung"

 

Wir flogen mit unseren Rucksäcken über Dubai nach Thailand in Südostasien, ohne einen genauen Plan in der Tasche zu haben, welche Ecken wir bereisen wollten. Wir wussten nur, dass die Hauptstadt Bangkok, der Norden und nach Möglichkeit ein paar schöne Inseln im Südwesten des Landes unsere Ziele werden sollten. Schon der Flughafen von Dubai, auf dem wir erstmals landeten, war für uns ein Erlebnis für sich. Riesige Palmen verleihen der Ankunftshalle einen Flair von 1001 Nacht. Die Scheichs mit ihren bis auf einen Sehschlitz bekleideten Frauen und der imposante Goldstand, dichtbehangen mit Ketten, Ringen und Amuletten in der weltweit einzigartigen Qualität von 18 Karat  tun ein Übriges dazu. Alle Schmuckstücke werden gewogen und nach Gewicht bezahlt. Für den Preis bekommt man in Deutschland allenfalls 9-karätigen Schmuck. So war das Weihnachtsgeschenk für Christine schon ausgesucht und wir nahmen es auf dem Nachhauseweg  unserer Tour mit. Doch jetzt zu unseren eigentlichen Zielen:

 

 

Nach der Landung verbrachten wir 3 Tage in Bangkok und mussten als unerfahrene Asienneulinge erst einmal das übliche Lehrgeld bezahlen. Wir wollten die ersten Stadttouren natürlich stilecht mit einem Tuk-Tuk fahren. Das sind diese dreirädrigen Minitaxis, die mit ihren Zweitaktmotoren nicht nur viel Lärm machen, sondern auch mit einer Menge Abgase dazu beitragen, dass über der Stadt ständig Smog herrscht. Ganz nebenbei atmen die Fahrgäste sie meistens selber ein. Wir schützten uns mit Tempotaschentüchern, die wir auf Mund und Nase pressten. Die Tuk-Tuk-Fahrer bescheißen Neuankömmlinge wie uns mit dem freundlichsten Lächeln der Welt. Heute wissen wir, dass die vielen von uns ungewollten Stopps in irgendwelchen Geschäften und Läden dem Fahrer jeweils 5 Liter Benzin oder einen Geldbetrag einbrachten, vorausgesetzt wir blieben mindestens 5 Minuten. Ob wir etwas kauften oder nicht spielte dabei keine Rolle. Bei einem späteren Besuch der Stadt fuhren wir stets kostenlos und versprachen dem Fahrer, 2-3 Stopps mit der angegebenen Zeit zu machen, wovon beide Seiten profitierten. Auf uns wirkte die Stadt zuerst einmal extrem verwirrend. Es gibt kein konkretes Zentrum, bestenfalls ragt der „Baiyoke 2 Tower“ aus dem Wirrwald der Hochhäuser. Da die Sehenswürdigkeiten zum Teil weit auseinander liegen, wurde es zu einem kleinen Abenteuer, von einem Punkt zum anderen zu kommen. 50.000 Essensstände säumen die Straßen – überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit findet sich etwas Essbares. Es ist Pflicht, den „Königspalast“ und einige der berühmten "Wats" , die Tempel der verschiedenen Buddhas, zu besuchen und sich neben Dutzende oder Hunderte von Thais zu setzen, die hier andächtig beten. Natürlich nicht, ohne vorher die Schuhe zu den Massen der anderen draußen zu stellen in der Hoffnung, sie wiederzufinden. Die "Wats" werden oft von strenggläubigen, bettelarmen Menschen in Plastikplanen-Siedlungen belagert, die hier nahe ihren religiösen Heiligtümern unter menschenunwürdigen Verhältnissen leben. Nahezu alle Märkte haben hier etwas mit Essen zu tun: Nachtmärkte, schwimmende Märkte offerieren praktisch jede Küche der Welt, von burmesisch bis kantonesisch, von balinesisch bis indisch usw. Wer uns kennt, weiß, dass wir uns wie im Schlaraffenland fühlten. Bevor wir Bangkok verließen, charterten wir jedoch noch ein "Klongboot", dieses lange, schmale Boot, das mit einem umgebauten LKW-Motor angetrieben wird und dementsprechend schnell ist. Ihr könnt euch vorstellen, wie es auf dem "Phraya" zuging, auf dem wir vorbei an "Wats" und anderen Sehenswürdigkeiten zu den schwimmenden Slums fuhren. Da jagen diese Boote den Fluss auf und ab, dazwischen kleine Holzboote mit Paddel, die sich oft so aufschaukelten, dass wir Angst hatten, sie würden umkippen.

 

 

Unser nächstes Ziel hieß Chiang Mai im Norden Thailands. Wir verzichteten auf eine Tour zum „Golden Triangle“, dem Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Laos und Myanmar, sondern schlossen uns einer Trekking-Gruppe an und marschierten 3 Tage durch die Bergwelt zum Dorf der Karen, die auf einer Dschungellichtung ohne Strom und fließend Wasser leben. Es begann mit einem ½-tägigen Elefantenritt über Stock und Stein, sogar durch Flüsse. Wir übernachteten in Bambushütten, saßen abends am Feuer, wuschen uns im Fluss und aßen Nudeln aus verschnürten Blättern der Bananenpalme. Natürlich merkten wir bald, dass dies eine touristische Sache war, denn die Nacht im Dorf war bestens organisiert. Die Kinder sangen für uns und wir feilschten mit den Frauen um die Preise für ihre angebotenen Baumwollprodukte. Die ein oder andere hielt ein  Pfeifchen im Mund und es war nicht schwer zu erraten, dass es sich dabei um Opium handelte. Zurück in "Chiang Mai" machten wir uns auf die Suche nach einem offenen Jeep, mit dem wir beide Richtung Westen bis an die Grenze zu Myanmar fahren wollten, im Hinterkopf den Besuch des Dorfes der Ringfrauen. Vor unserer Abreise in Deutschland haben wir einen Fernsehbericht über das „Pandauung-Dorf“ gesehen. Die Frauen sollen von Myanmar hierher verschleppt worden sein und wie Gefangene gehalten werden, die ihr Dorf nie verlassen können. Dort befinden sich fünf Dutzend Frauen und Mädchen, die sich die Hälse durch das Umlegen von Ringen verlängert haben. Für etwas Geld posieren sie für die Touristen und haben es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Es mag debattierbar sein, ob es ethisch ist, ein Volk zu bestaunen, dessen weibliche Mitglieder aufgrund ihrer Gebräuche etwas anders aussehen als andere. In Myanmar legten sie sich Ringe um den Hals, was durchaus Sinn machte, da einige durch Tigerbisse ums Leben gekommen waren. Hier werden sie aber von der Drogenarmee gefangen gehalten und es wird Eintritt kassiert. Über Lehmpisten fuhren wir in Richtung des Städtchens Pai. Sollte jemals ein Leser in diese Ecke kommen, ist ein Abstecher in diese kleine Idylle Pflicht. Nette kleine Lokale, die erste Thai-Massage dieser Tour, der Besuch des Schulfestes sowie entspannende Tage in der näheren Umgebung waren ein wunderbarer Ausgleich zu der Hektik der größeren Städte. Vorher endete unsere Piste oft irgendwo in den Bergen bei einigen Bambushütten. Wenn wir unsere Straßenkarte, die wir selbst nicht lesen konnten, den Menschen in der Hoffnung zeigten, dass sie den Weg wüssten, endete dies stets in freundlichen Gesten und vielen Worten. Da sie die Karte meist verkehrt herum hielten, verabschiedeten wir uns lachend und machten uns wieder auf den Weg. Die wenigen Schilder konnten wir beim besten Willen nicht entziffern und so war es kein Wunder, dass wir für 25 km ca. 6 Stunden brauchten.

 

 

Da die Ringfrauen nur noch 8 km von unserem Ziel, der Stadt Mae Hong Son entfernt waren, zog es uns doch wie magisch in ihr Dorf. Wir begegneten den ersten Militärfahrzeugen der Drogenarmee und bezahlten später zähneknirschend über € 20,-- pro Person Eintritt an einen Uniformierten. Es war wie im Fernsehbericht: die Männer hatten so gut wie keinen Auftrag und die Frauen posierten für die Kameras. Uns taten nur die kleinen Mädchen leid, denen ebenfalls schon Ringe um den Hals gelegt wurden. In Wirklichkeit wird nicht der Hals verlängert, sondern die Schultern nach unten deformiert. Da tragen die Langohr-Frauen im Dorf deutlich weniger körperliche Schäden davon, denn ihnen wird nur das Ohrläppchen im Laufe der Jahre durch Einbau von Ösen zu unglaublicher Länge ausgeweitet. Sie haben eine eigene Schule und die Kinder lernen dort immerhin vier Sprachen. Wir saßen mit in einem Klassenzimmer und konnten sogar filmen.

 

 

Die Thai-Kost ist meist sehr scharf. Als wir einmal in der Hitze der Mittagssonne genüsslich eine Ananas bestellten, war selbst diese mit Chilli gewürzt – und für uns leider ungenießbar! Sonst waren wir überall von den Gerichten und Speisen begeistert. Dies sollte auch im Süden des Landes so bleiben, als wir in Hat Chay an der Grenze zu Malaysia eintrafen. Wir merkten schnell, dass wir in dem kleinen, schäbigen Stadthotel die einzigen Gäste waren, die länger als eine Stunde blieben. 3x dürft ihr raten…? Die nach außen hin strenggläubigen Muslime aus Malaysia kamen in der Nacht über die Grenze ins Stundenhotel, wo junge Mädchen auf diese Art Geld verdienen, um ihre Familien in den armen, ländlichen Gebieten zu ernähren. Nichts wie weg von hier! Wir hatten von zuhause den Tipp im Rucksack, mit einem Boot die 4 Stunden hinaus auf die Insel Ko Lipe zu fahren. Dort leben tiefschwarze Seenomaden, die heute allerdings nicht mehr als Piraten die Handelsschiffe erleichtern, sondern sich als Perlentaucher ihre Gesundheit ruinieren. Es gibt keine Autos und die Bambushütten am Strand waren genau das Richtige für uns. Unsere einzige Tätigkeit bestand darin zu schauen, was die Fischer mitbrachten, um uns für den Abend etwas auszusuchen. Meist gegen 20 Uhr saßen wir dann nur einige Meter vom Meer entfernt am Strand und hatten die leckersten Delikatessen vor uns: Baracuda, Haifischsteak, Red Snapper, Garnelen, nein: Monster-Garnelen usw. und das alles noch für wirklich wenig Geld. Jetzt verstanden wir auch die vielen Europäer, die hier den ganzen Winter, einige sogar das ganze Jahr, verbringen.

 

 

Nach einer Woche siedelten wir auf die Insel Ko Jum um, die vor der Küste bei Krabi und ganz in der Nähe der Filminsel Ko Phi Phi liegt. Wenn es so etwas wie das Paradies auf Erden gibt, dann muss es wohl hier sein: In Hängematten zwischen Kokospalmen liegen, mit Kokosmilch gekochte Suppen essen und abends am Strand Yoga-Übungen im Sonnenuntergang machen. Wir überquerten schon am Morgen zu Fuß die Insel, allerdings nicht nur, um mit den Schulkindern herumzualbern, sondern vor allem, um zu „Mama“ zu gehen, die schon auf uns wartete. Hier gab es noch die Steigerung von allem. Sie bereitete uns die originellsten Frühstücke zu und da wir meist die einzigen Gäste waren, fiel es ihr nicht schwer, uns zu beäugen, ob es auch wirklich schmeckt. Keine Sorge! Einmal weckten wir sie sogar abends und baten um ein Essen. Sie freute sich scheinbar wirklich, uns zu sehen und fragte, ob „Baracuda“ denn Recht wäre. Aber Hallo. Na klar! Es war auch zugleich das Abschiedsessen von unserer Trauminsel. Unglaublich, dass Jahre später hier in der Gegend der Tsunami so viele Todesopfer fordern sollte.

 

 

Vorbei an Phuket ging es mit öffentlichen Bussen in den Khao-Sok-Nationalpark, in dem wir noch einige Tage mit Dschungel-Wanderungen verbrachten. Ein Mädchen mit Flipflops lief mit uns (wir in Trekkingschuhen) über 1 Stunde steil den Berg hinauf, um uns die größte Blume der Welt zu zeigen. Sie blüht meist nur 1-2 Tage und ist dann an dieser Stelle nie mehr zu sehen. Die Blüte hat einen Durchmesser von bis zu 45 Zentimetern. Mit diesen letzten Eindrücken machten wir uns mit dem Nachtzug wieder auf den Weg Richtung Bangkok. Auf dieser Langstrecke war einiges geboten. Alles Mögliche wurde transportiert: Küken, Hühner und Enten in Kartons. Abends wurde das gesamte Abteil umgebaut und wir konnten übereinander liegen. Was wollten wir mehr, denn so kamen wir einigermaßen ausgeruht in der Hauptstadt Thailands an. Norbert nimmt im Laufe der Wochen meist stark die Mentalität der Einheimischen an. Diesmal führte es dazu, dass wir für einige Cent weniger den Einheimischenzug zum Flughafen nehmen mussten. Was wir nicht wussten war, dass er an jeder Ecke hält und wir zuletzt nur noch rennend und klitschnass geschwitzt unser Gate erreichten. Es war gerade noch Zeit, auf der Toilette die Klamotten zu wechseln und ins Flugzeug zu steigen. Christines Antwort auf diese Aktion: "einen krummen Nagel bringt man halt nie mehr ganz gerade!"