Land der Vielfalt ...und der Armut

Wir sind in El Alto auf 4050 m auf dem höchstgelegenen Flughafen der Welt gelandet. Hier brauchen die Flugzeuge wegen der dünnen Luft fast 5 km Startbahn, um abheben zu können. Sofort begaben wir uns ins tiefer gelegene La Paz und hier wiederum in einen tiefgelegenen Stadtteil auf 3200 m zum Übernachten. Der nächste Tag verlief schon prima: Wegen Filmen mit der versteckten Kamera vor dem amerikanischen Konsulat gerieten wir in Polizeigewahrsam. Es war eine sehr unangehme Geschichte und wir waren froh, als wir wieder frei waren. Wir waren den ganzen Tag in La Paz sowie etwas außerhalb im "Vale de Luna" - im Tal des Mondes unterwegs. Hier sahen wir die indianische Tracht mit den Hüten und den bunten Tüchern, mit denen die Frauen alles transportieren, ...Dinge vom Markt, die Babies und auch das, was nicht gesehen werden soll. Hier sind die Koka-Blätter legal und es gibt sogar ein Koka-Museum. Ebenso einzigartig sind die Märkte: Neben dem Ramsch-, Schwarz- und Diebesmarkt gibt es die blaue Budenstadt (blaue Plastikplanen), die sich über viele Gassen wie ein Labyrinth den Berghang hinauffrißt. Ein Geschiebe und Geschubse, plärrende Kinder, Panflötenbauer, Knoblauchhändler, streunende Hunde, dazwischen vollgestopfte Busse, die sich hupend durchquälen. Auch der Hexenmarkt ist ein wichtiger Bestandteil von La Paz. Allerlei Pulver und Kräuter gegen Krankheiten, u.a. gegen den "bösen Blick". Eine wirklich eigenartig schöne Stadt mitten in den Bergen mit verschneiten Gipfeln im Hintergrund. Sie hat einen Höhenunterschied von 1000 m. (4050-3000) Ganz oben leben die Armen, tiefer die bessergestellten Bewohner. Wir wollten "unser" Waisenhaus besuchen, das wir mit unserem Projekt WIR HELFEN unterstützen. Dazu mußten wir hinauf nach El Alto, wo ca. 700.000 Menschen unter ärmlichsten Bedingungen leben. Dort herrscht eine unglaubliche Kriminalität. Nicht jeder Taxifahrer bringt einen dort hinauf. Es war für uns eine schwierige Entscheidung, ohne ausreichende Akklimatisierung wieder in diese Höhe zu gehen, aber wir wollten am nächsten Tag La Paz wieder verlassen.Es endete leider damit, dass Norbert am Abend von unserer Unterkunft in eine Klinik gebracht werden mußte. Sein Sauerstoffanteil im Blut war auf 56 % gesunken. (normal sind über 90 %, hier in Südamerika Mitte 80 %). Zudem war Wasser in der Lunge. Unsere Abreise verzögerte sich. 

 

Zwei Tage später war er wieder soweit hergestellt, dass wir La Paz in Richtung der Hauptstadt Sucre verlassen konnten. Ein wirklich traumhaftes koloniales Städtchen auf 2800 m, in der die Geschichte Boliviens verankert ist. Seit 1992 Unesco-Weltkulturerbe. In der Nähe findet man die letzten Tarabuco-Indianer, die man an den Lederhelmen, den roten Ponchos und den Holzpantoffeln mit den Sporen erkennt. Weiter ging es über das Hochland in öffentlichen Bussen, in denen zur Sicherheit der Fahrer die Fahrgäste hinten eingesperrt und meist noch die Vorhänge zugezogen werden. So sieht man wenigstens nicht die halsbrecherischen Überholmanöver, bei denen man um sein Leben fürchten muß.

 

Wir erreichen Potosi, die höchstgelegene Stadt der Welt auf 4060 m. Die Menschen dort leben seit der Kolonialisierung im 16. Jahrhundert vom Bergbau in den Erz- und Silberminen ihres Silberberges oder auch Heiligen Berges, wie sie ihn nennen. Jungs arbeiten hier ab dem 12. Lebensjahr bis zu 350 m tief in den Stollen bei Temperaturen bis zu 45 Grad. Sie arbeiten 12 Std. pro Tag und kauen Koka-Blätter, damit sie ohne Essen, Trinken und Notdurft auskommen. Viele werden nur 20 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Männer liegt hier bei 35 Jahren. Sie bekommen für 8 t handabgebautes Mineral, das sie auch von Hand aus den Stollen bringen müssen, 80 Euro. Die Hälfte davon geht wieder an Koka-Blätter, Schnaps, Dynamitstangen und Zünder drauf. Übrigens haben wir auch Blätter, Dynamit und Zünder gekauft, ehe wir zu den Mineros in die Stollen gekrabbelt sind. Norbert hat mit einem langen Meisel und einem Fäustl, bei dem immer der Stiel rutschte, mal versucht, eine Viertelstunde mitzuarbeiten. ...ein hartes Los! Ein Loch für eine Dynamitstange herauszumeiseln dauert ca. 5-6 Stunden.

 

Wir zogen weiter Richtung Salar de Uyuni, der mit 12.000 qkm größten Salzwüste der Erde. Die Salzschicht ist bis zu 8 m dick. Die Einheimischen nennen sie das "Weiße Meer". Wir hatten unglaubliches Glück: Normalerweise fahren pro Jeep-Tour mind. 6 Personen, aber da sonst niemand da war, hatten wir den Jeep für uns. Dadurch entstanden sehr schöne Filmaufnahmen, da wir dafür alle Zeit der Welt hatten und niemanden störten. Zuerst besuchten wir bei der Durchquerung das "Salzhotel", in dem alles, aber auch wirklich alles aus Salzblöcken gebaut ist. Angefangen von den Außenwänden über die Tische, Stühle und sogar die Betten. Mittlerweile wurde es geschlossen und kann für ein paar Peso besichtigt werden. Der Salar liegt auf 3.700m. Tagsüber hatten wir bis zu +35 Grad, die sich nachts in frostige Temperaturen von bis zu - 10 Grad verwandelten. Wir haben in "Tahua", auf der anderen Seite des Salar, übernachtet. Am nächsten Morgen ging es hinauf zum 5.400m hohen Vulkan "Tunupa", wo wir von unserer Familie den Schlüssel für ein 1.400 Jahre altes Indianergrab bekommen haben. Ein sehr besonderer und mystischer Ort. Die recht kleinen Mumien saßen in einer verschlossenen Felshöhle und sogar die Grabbeigaben waren noch zu sehen. Ein schöner Abschluß der Wüstentour.

 

Wir machten durch eine 12-stündige Rumpelfahrt mit einem öffentlichen Bus einen großen Sprung zum Titicaca-See. Ein Bus voller Indios und wir - an Schlaf war nicht zu denken, zudem platzte noch ein Reifen. Überall wurden wir mit dieser unglaublichen Armut im Hochland konfrontiert. Wenn der Bus um 02 Uhr einen Stopp in einem winzigen kleinen Kaff machte, baute schnell die Indio-Oma einen kleinen Stand mit irgendwelchen Dingen auf. Die Kinder kochten Suppe und verkauften Wasser und Cola. Hier war es bitter kalt. Heizung gab es nirgends. Die noch kälteren Zeiten (bis -20 Grad) kommen aber noch. Die Leute können dir wirklich leid tun.

 

Ehe wir Bolivien über den See in Richtung Peru verlassen, noch ein kleines Fazit: Die politische Lage war wegen dem Präsidentschaftswahlkampf sehr angespannt. Jedes öffentliche Gebäude, Geschäft und besseres Wohnviertel war streng bewacht. An den Anblick der Pumpguns mußten wir uns erst gewöhnen. Es ist uns passiert, dass wir in einem Bruchbudenladen einkaufen gingen und es wurde vor uns auf- und nach uns wieder zugesperrt. Die schönen Eindrücke haben jedoch überwogen. Alleine die Märkte in La Paz sind schon einzigartig. Ebenso das Fußballstadion auf 3.500 m, indem die Außenseiter Bolivien schon manchen namhaften Gegner in Grund und Boden gespielt haben - ....na ja, kein Wunder. Wir wollen wiederkommen, schon alleine um die Waisenkinder weiter zu unterstützen und..., um andere Ecken dieses Landes kennenzulernen, wie das Tiefland Richtung Brasilien oder aber, um den ein oder anderen Berg zu besteigen.

Adios Bolivia.