Eines der letzten Paradiese

Wir sind nach einem Flug von "Qieto" 1000 km hinaus in den Pazifik auf der kleinen Steininsel "Baltra" gelandet. Die Hauptstadt Ecuadors war Zwischenstation von Peru kommend, um den 5.900 m hohen "Cotopaxi" im Tal der Vulkane zu besteigen. Die Galapagos Inseln bilden den Abschluß dieser großen Tour. Viele wollten uns weismachen, dass man die Galapagos nicht individuell nicht bereisen könne, wegen der Registrierung, nur in organisierten Gruppen, usw. Um es vorwegzunehmen: es ist nicht so. Wir haben uns einen Flug besorgt und hatten schon Monate zuvor ein kleines Boot für eine 8-tägige Tour durchs Atoll im Internet gebucht. Alles hat prima geklappt. Dass man bei der Landung registriert wird und zugleich 100,-- USD pro Person als Eintritt in den "Galapagos Parque" berappen muß, trifft jeden gleich. Schon am ersten Abend saßen wir in "Puerto Ayora", einem netten Ort mit Autos, Lokalen, Unterkünften, bei den "Kiosks". Dort kochen die Einheimischen meist Gerichte aus dem Meer, z.B. Riesengarnelen und Fisch in Cocos-Salsa, d.h. feiner Kokossauce. Dazu ein Serveza-Pilsener, ein wirklich feines Bier, das in Ecuador gebraut wird. Ja, wir haben fast jeden Tag Fisch und Meeresfrüchte in den verschiedensten Variationen gegessen: mit Orangensauce, mit Kokossauce, gegrillt, als Risotto, in Spaghetti usw. Zudem gab es hier die leckersten Frucht-Shakes, so dick, dass der Strohhalm in der Glasmitte stehen bleibt. (das ist unser Maßstab, ob er gut ist). Wir lümmeln so gut wie alleine an endlosen Stränden in Ortsnähe herum und tanken noch eine Menge Sonne, wohlwissend, dass zuhause der Winter auf uns wartet. Wir nahmen uns einen Tag Zeit und besuchten die weltberühmte "Charles Darwin Station", die Aufzuchtstation der Galapagos Riesenschildkröten. Früher gab es 14 Arten, heute nur noch 11. Sie werden über 340 kg schwer und bis zu 200 Jahre alt.

 

Die Bootstour mit dem kleinen Schiff "Golondrina I" führte uns 8 Tage durch das gesamte Atoll der Galapagos, das 13 große Inseln und 46 Eilande umfasst. Ausgangspunkt war das Örtchen "Puerto Ayora", von dem aus wir uns auf die Suche nach dem im Internet gebuchten Schiff machten. Außer uns beiden waren noch 11 weitere Passagiere aus aller Herren Länder an Bord. Nachdem man uns davon in Kenntnis gesetzt hat, dass bei der "Golondrina" einer von zwei Motoren ausgefallen ist, verließen wir den Hafen Richtung Süden. Da wir etwas gehandicapt waren, schaukelte die "Golondrina" meist nachts bis zu 10 Stunden übers Meer von einer Insel zur nächsten. Begleitet wurden wir von einem Führer der Galapagos Parks, der darauf achtete, dass wir nur die vorgegebenen Wege benutzten und keine Gelege zerstören. Es war nämlich Brut- und Nistzeit und wir konnten die Tiere beim Paarungstanz oder teilweise schon mit ihren Jungen beobachten, fotografieren und filmen. Es ist faszinierend zu sehen, dass hier ein Einklang von Mensch und Tier besteht. Es gibt kein Feindbild Mensch. Wir konnten in 5 m Entfernung in aller Ruhe unser Stativ aufbauen und filmen. Man nennt die Galapagos auch "die Inseln aus Feuer und Meer" oder "das Archipel der zahmen Tiere". Wir sahen die unzähligen Vulkane, die teilweise noch aktiv sind, laufen über zu Brei erstarrte Lavaschichten, die sich vor Millionen von Jahren faltig Richtung Meer aufgeschoben haben. Du spürst hier zugleich den Anfang und das Ende des Entstehens dieses Stück Landes. Wir konnten unglaubliches Filmmaterial einfangen. Hier ist alles anders als sonstwo auf unserer Erde. Pinguine. Seelöwen findet man sonst nirgendwo am Äquator, nur hier. Möglich macht dies der eiskalte Humboldt-Strom aus der Antarktik, der auch den unglaublichen Fischreichtum begründet. Wir konnten Albatrosse beim Liebesspiel beobachten und ...filmen. Man nennt sie mit ihren 2.40 m Spannweite die "Könige der Lüfte". Alle 23.000 Paare verlassen jeden Januar gleichzeitig die Insel, umrunden ganz Südamerika und kommen Ende März wieder auf Espaniola zurück. Ebenso schön ist der Fregatt-Vogel zu beobachten, der sein Nest baut, dann seinen knallroten, überdimensionalen Kehlsack aufbläst und somit das Weibchen seiner Träume anzulocken versucht. Wir haben orange-blaue Klippenkrabben beobachtet, wie sie sich extra für uns auf den Felsen in der Brandung großmachten. Unsere Lieblinge aber waren die "Blue footed Boobies" oder die Blaufußtölpel, die mit ihren blauen Flossen und den gleichfarbigen Schnäbenl stolz posierten. Es gibt sie auch in rot. Das halbfertige, hässliche Albatros-Baby mit seinem zerrupften Federkleid, an dem noch teilweise Flaumbüschel hingen, brachte uns immer wieder zum Lachen. Aber keiner hat sich selbst gemacht! Pelikane, verschiedenfarbige Meerechsen, die als einzige Echse eine amphibische Lebensweise angenommen hat. Wir spazierten durch diese Tierwelt wie durch einen großen Zoo. Seelöwenkolonien, Landleguane, Galapagos-Pinguine gehörten zum täglichen Bild. Mit das größte Erlebnis war das Schnorcheln vom Beiboot aus: wir begegneten Elefanten-Schildkröten, Seelöwen bis auf Körperkontakt und neben einer Vielzahl der buntesten Fische auch bis zu 2 m großen Weißspitzen-Haien. Sie sind keine Vegetarier, würden aber laut Guide keine gleichgroßen Gegenüber, sprich uns, angreifen. All das war einmalig und wird unvergesslich bleiben.

 

Hier am Äquator scheint die Sonne genau 12 Stunden, von 06 bis 18 Uhr. Dann wird es schlagartig dunkel. Die Bäume und Häuser sind mit kitschig bunten Lichterketten und Weihnachtssymbolen geschmückt. Alles muß blinken und leuchten, möglichst noch mit dauerhaft zugeschalteter Weihnachtsmusik. Hier draußen vergißt man ganz, dass zuhause jetzt Adventszeit ist. Dass man gemütlich in den heimischen Stuben sitzt, ein Kerzchen anzündet und etwas Glühwein nachschenkt. Die 8-tägige Schiffstour ist ein Muß, wenn man einen Eindruck vom Archipel haben möchte. Hat man wie wir noch eine Woche darüber hinaus Zeit, kann man auf eigene Faust erkunden und erleben. Es gibt auch Schiffsverbindungen zu anderen Inseln, aber man darf keinen Fahrplan erwarten, der strikt eingehalten wird. Hier heraußen pulsiert das Leben etwas anders, etwas gemütlicher, etwas individueller. Wir beneiden die Insulaner um ihre Gelassenheit und Zufriedenheit und hoffen, davon ein klein wenig mit nach Hause nehmen zu können.

 

Wir wünschen den Galapagos Inseln, dass die Pläne der Regierung von Ecuador und möglicher Sponsoren, einen größeren Flugplatz und einige Hotels zu bauen, nicht umgesetzt werden wird. Es wäre der Anfang, einem der letzten Paradiese dieser Erde seine Einmaligkeit zu nehmen.

 Adios Galapagos.