Wir reisten mit dem Überlandbus von Trujillo in Peru kommend in Ecuador ein. Unser erster Weg in der Stadt "Locha" war die dortige Klinik, denn an Norberts Gesundheitszustand hatte sich in den letzten 2 Wochen wenig geändert. Eine Einheimische dolmetschte in Englisch und endlich, endlich war die Möglichkeit für eine Laboruntersuchung sowie CT und eine gute Urologie vorhanden. Um es abzukürzen: es stellte sich heraus, dass Norbert sich in Peru eine gefährliche Bakterieninfektion eingefangen hatte, möglicherweise sogar vom Packpferd. (siehe Reisebericht Peru). Hier gab es Medikamente und eine tägliche Spritzenkur, um den Zustand zu kontrollieren. 8 kg abzunehmen ist ja grundsätzlich nicht schlecht, ...aber doch nicht auf diese Art! Mit einem viel besseren Gefühl machten wir uns auf den Weg Richtung "Quito", doch leider waren beim Ausladen des Busses in "Cuenca" unsere großen Rucksäcke verschwunden. Normalerweise laden wir alles selber ein und um, steigen auch bei jedem Halt aus, um zu verhindern, dass sie nicht geklaut werden. Diesmal waren wir so in Eile, dass wir sie dem Fahrer an den offenen Ladeklappen überließen. Jetzt waren wir verlassen und obwohl wir einen Riesenaufstand machten, glaubten wir selber kaum noch daran, unsere Rucksäcke wiederzusehen. Am 2. Tag ein letzter Versuch: Norbert drohte dem Agenten der Busgesellschaft wohl sehr glaubhaft in zumindest lautem Spanisch den Tod für den nächsten Morgen an, wenn dann die Rucksäcke nicht mit dem Bus aus "Locha" mitkämen. Ein Wunder geschah, denn am nächsten Morgen waren die Rucksäcke und wir wieder vereint, sie schön mit dem absperrbaren Schloß gesichert und somit unversehrt.
Juhuuu,...mit allen Bergklamotten, denn wir waren ja eigentlich auf dem Sprung nach Quito und brauchten für eine Cotopaxi-Besteigung ja eine neue Akklimatisationszeit von mind. 4 Tagen. Genau die 4 Tage blieben uns jetzt nur noch übrig. Was tun? Eigentlich zu wenig Zeit. Wir mußten von Quito aus 2 Berge mit 4.700 m und 4.800 m besteigen, dann 1 Tag auf der Schutzhütte "Tambopaxi" auf 3.700 m. Spätestens da stand unser Entschluß fest. Immer den Cotopaxi mit seinen Eisfeldern im Sonnenlicht direkt vor Augen. Wir wollten den Aufstieg versuchen. In der Morgendämmerung konnten wir vom Frühstückstisch aus mit einem Riesenfernrohr die Seilschaften beim Zustieg über den Gletscher beobachten. Trotz der geringen Zeit hatte die Akklimatisierung prima geklappt. Etwas untergewichtig zwar und nicht ganz im Vollbesitz der Kräfte, aber voller Tatendrang. Unser Führer kam von "Quito" und brachte die fehlende Ausrüstung mit: Steigeisen, Eispickel, Plastikschuhe, Wärmekleidung, Gletscherbrillen usw. Wir fuhren bis auf 4.600 m und stiegen von dort zum Refugio "Jose Rivas" auf 4.800 m auf. Dort merkten wir, dass unser Guide die Thermosflaschen vergessen hatte, eine Todsünde. Gegen 01.oo Uhr stiegen wir als 3-er-Seilschaft auf. Den heißen Tee hatten wir in Plastikflaschen abgefüllt und in Kleidung eingewickelt. Es war so kalt wie wir es vorher noch nie erlebt haben. Auf den vorherigen Touren brauchte jeder von uns 2 Liter Wasser. Bei der 1. und 2. Trinkpause hatten wir noch Eistee, dann nur noch Eis in der Flasche. MIST. Warum gerade wir! Wir stiegen über teilweise 40-45 Grad steile Eisfelder auf, überquerten tiefe Spalten, umgingen die schwarze Felswand "Yana Sacha" und standen 100 m unterhalb des Gipfels. Hier in unmittelbarer Nähe dieser gewaltigen Eismassen bekommt man doch Respekt. Von der Weite hatte der Berg so idyllisch ausgesehen. Ein Blick in Christines Augen sagte uns, dass wir ohne Trinken nicht weitergehen dürfen. Die Kraft muß auch noch für den Abstieg reichen. Umkehr! Wir waren echt sauer auf unseren Guide. Später hörten wir, dass sie solche Dinge auch absichtlich machen, da sie dann dasselbe Geld verdienen, ohne den Gipfel ereichen zu müssen. Wir waren ja eher wegen Norberts Gesundheitszustand skeptisch, aber heute hätte alles gepasst, wenn ........! Heute wissen wir, dass es ein unglaublich schönes Erlebnis war, auch wenn die 100 m fehlten. Wir haben den Berg bei idealen Bedingungen und Traumwetter erlebt. Das ist nicht immer so. Wir genossen den Abstieg und trafen spätnachmittags in "Quito" ein. Wir haben gegessen und getrunken und die Akkus waren schnell wieder voll. Auch Christine zeigte ihr gewohntes Eßverhalten. Wer sie kennt, weiß was das bedeutet. Wir sind voller Vorfreude auf den nächsten Tag, denn der soll uns hinaus in die unvergleichliche Inselwelt der Galapagos bringen, wo wir individuell 14 Tage unterwegs sein wollen. (siehe Galapagos)
Ein kleines Fazit für Ecuador: das vergleichsweise kleine Land hat mit Sicherheit das breiteste klimatische Spektrum, die landschaftlichste Vielfalt und die abwechslungsreichste Flora & Fauna von ganz Südamerika. Ausgedehnte Strände, das Amazonas-Tiefland mit der Faszination der Regenwälder und das einmalige Atoll der Galapagos Inseln 1000 km vor der Küste im Pazifik.