Abseits vom Zuckerhut

...mit dem Rucksack durchs Land der fressenden Schere.

 

Um über unsere Brasilien-Tour zu berichten, müssen wir etwas weiter ausholen. Das Abenteuer begann bereits am Füssener Bahnhof, als uns der Zug nach Frankfurt genau vor der Nase, besser gesagt, das Trittbrett vor dem aufstiegbereiten Fuss wegfuhr. In einer dramatischen Verfolgungsfahrt holten wir ihn dann nach 30 km ein und stiegen triumphierend zu. Es wäre ja noch schöner, wenn wir es nicht schaffen sollten, unsere lange geplante Tour nach Brasilien anzutreten.

 

So landeten wir in Rio und hatten alle möglichen tollen Bilder vor Augen. Zuerst einmal hat es Norbert für 2 Tage im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen. Nicht wegen der wohl einmaligen Traumlage dieser Stadt, sondern eher wegen den Klimaanlagen und Ventilatoren. Wir haben in Rio das klassische Abhakeprogramm absolviert. ...Na ja, mit einer kleinen Ausnahme, da wir uns doch etwas von den anderen Touris aus aller Welt unterscheiden wollten. Doch dazu später. Zuerst standen wir auf dem Zuckerhut und hatten einen Traumblick über diese Stadt. Von allen von uns bereisten Großstädten liegt diese zweifellos am traumhaftesten, zwischen steilen Bergrücken mit Felsen, eingerahmt von tiefen Buchten des Atlantiks mit unendlich vielen vorgelagerten kleinen Inseln. Die "Copacabana" trafen wir menschleer an, da ein kalter stürmischer Wind die heißen, in knappen Bikinis gekleideten Brasilianerinnen in ihren Wohnungen hielt. Dies wiederum sehr zum Leidwesen Norberts, da man auch Staunen kann, ohne viel dabei reden zu müssen. Mit der Zahnradbahn ging es durch den "Tijuca-Park" steil nach oben auf den "Corcovado", Rios höchstem Berg mit immerhin 710 m. Auf dem Gipfel steht die riesige weltberühmte 38 m hohe Statue "Cristo Redentor" - Christus der Erlöser, der mit ausgebreiteten Armen die Stadt segnet. Wir wollten Rio nicht verlassen, ohne mit der über 100 Jahre alten "Bonde" nach "Sta. Teresa" zu fahren. Das ist eine uralte, auf rumpeligen Gleisen dahinstolpernde Strassenbahn, die uns steil hinauf in den berüchtigten Stadtteil bringt. Die Sitzplatzkarte kostet nur einige Reales, Trittbrettfahrer fahren kostenlos. Man hat uns dringend geraten, keine Wertgegenstände mitzunehmen, da immer wieder Kamera- und Taschendiebe aufspringen und ihr Glück versuchen. Norbert hat als Trittbrettfahrer versucht, einige gute Filmaufnahmen mit nach Hause zu bringen, ohne seine Kamera zu verlieren. Ein Militärpolizist mit einem grosskalibrigen Revolver hat die Donde begleitet. Vom eigentlichen Flair der Stadt, insbesondere zu Nachtzeiten, waren wir eher enttäuscht. Wir spürten die Gefährlichkeit der Straßen nicht, wurden aber immer wieder von netten Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass wir von hier und auch von dort schleunigst verschwinden sollten. Die Straßenkriminalität ist unglaublich hoch, was die Lust auf das Erlebnis, besonders hinter den Kulissen, doch deutlich hemmt.

 

Unser nächste Ziel war das Pantanal. Klappt unsere langwierige und holperige Planung? Steht die brasilianische Biologin "Meirice" um 23.30 Uhr am Flughafen von "Cuiaba" und holt uns zu unserer gemeinsamen Tour ab? Nur sie und wir beide, mit einem Geländefahrzeug, zu Fuß, per Boot und auch mit dem Pferd ins Herzen des mit 150.000 qkm größten Sumpf- und Überschwemmungsgebietes dieser Erde. Wir wollen ca. 650 km unterwegs sein, davon ca. 300 km auf der "Transpantaneira", einer Dammpiste mit 118  Brückenkonstruktionen in einfachster Holzbauweise, die über zahllose Bäche, Flüsse, Tümpel und Lagunen führt. Sie war jetzt befahrbar. Die Worte "oi Norbert" rissen uns aus unseren Gedanken und wir blickten in die Augen einer ca. 50-jährigen Frau, die in grünbraunen Buschklamotten vor uns stand und sich mit "ich bin Meirice" in einem relativ guten Deutsch vorstellte. Die Freude, dass alles geklappt hatte, ließ uns vergessen sie zu fragen, wie sie uns unter der Traube der Ankömmlinge erkannt hat. Nach einstündiger Fahrt bei einer backofengleichen Temperatur erreichten wir "Pocone", den Ausgangspunkt unserer Tour. Nachdem wir den Wecker auf 5.30 Uhr gestellt hatten, fielen wir in die Betten, nicht ohne die Klimaanlage auszuschalten. Bei etwa 35 Grad opferten wir den Schlaf einer möglichen Erkältung. Bei Sonnenaufgang holte uns Gonzalo, der Fahrer des offenen Jeeps, ab. Nur noch volltanken und Wasser bunkern. Wir werden sehr viel Wasser brauchen, denn Meirice verspricht uns Temperaturen bis zu 46 Grad im Schatten. Hatten wir uns verhört oder hatte sie 46 Grad gesagt? Um es vorwegzunehmen: wir hatten uns nicht verhört. Ja, der Oktober ist halt hier der heißeste Monat des Jahres. Es hatte sogar abends gegen 21 Uhr noch 39 Grad. Wir standen kurze Zeit später vor dem Tor der "Transpantaneira", das uns von dem Park-Militär-Polizisten geöffnet wurde. Seit einigen Jahren birgt das Pantanal mit der Infrastruktur der Pousadas ein Potenzial im Öko-Tourismus. Da wir etwas erleben wollten, mußten wir schon um 5 Uhr unterwegs sein, da zu dieser Zeit die meisten Tiere aktiv sind. Es zahlte sich schnell aus, mit einer Biologin unterwegs zu sein. Sie kannte Ara-Nester, das einzige Nest des König-Geiers, den es auf einer Fläche von 200 qkm nur einmal gibt, da er diesen Lebensraum beansprucht. (schaut ihn bitte unbedingt im Internet an - ein unglaublich gezeichneter Vogel, besonders der Kopf des Männchens). Wir sahen Nasenbären, Sumpfhirsche, Tukane, Specht-, Eisvogel- und Kolibriarten. Kaimane bis zu 5 m lagen neben Wasserschweinen. Wasserbüffel und Tapire säumten die Ufer der Sümpfe. Dort leben die berühmt berüchtigten Anakondas. Meirice zieht sie im Gegensatz zu anderen Guides nicht aus dem Wasser, um sie nicht an ihren empfindlichen Rückenwirbeln zu verletzen. Wir haben sehr schnell den Unterschied zu den schlecht englisch sprechenden Guides bemerkt, die zudem keine Ahnung von den Tieren und allem anderen haben. Meirice erzählte uns von Jaguar-Unfällen mit Toten, verursacht durch Leichtsinn. Dies alles wird aber geheimgehalten. Ebenso von Fahrzeugen mit glatten Reifen und nicht funktionierenden Bremsen. Bei uns war alles in Ordnung und Meirice konnte auch das Verhalten des Jaguars lesen, dem wir uns mit dem Boot auf etwa 8 m genähert hatten. Puuuhh, ein unglaubliches Gefühl, diesem Phänomen des Pantanals gegenüber zu stehen. Die Transpantaneira mit dem Fahrrad zu befahren und im Zelt zu schlafen, wäre der sichere Tod, so Meirices Erzählungen von Unfällen, wo Menschen keine Ahnung von der Natur oder auch keinen Respekt davor hatten. Wir bewunderten und filmten die Fahrkünste von Gonzales, der manchmal nur eine Balkenbreite Platz hatte, um das Fahrzeug über ein Brückenloch zu balancieren. Meirice war ihr Handy von der Brücke in ein brusttiefes Wasser gefallen. Ihr Fahrer mußte es holen, während sie mit einem Stock die Kaimane weghielt. Das alles für ein Tagesgehalt von 15-20 Reales, was 6-8 Euro entspricht. An einem Tag waren unsere Reitkünste gefragt, als wir in Begleitung eines Farmers durch den Busch und die unendliche Weite dieses Landstriches ritten. Im offenen Gelände war die Hitze fast unerträglich, aber das gehört nun mal dazu und auch das schmerzende Hinterteil nahmen wir in Kauf, da auch auf dieser Tour wieder die Erlebnisse überwogen. Wir beobachteten Brüllaffen und konnten sie mit Bananen zu uns locken. Auch so entstanden einige schöne Aufnahmen. Bei insgesamt über 20 Stunden mit dem Boot auf verschiedenen Flüssen wie dem Rio Claro, Rio Pixaim und dem Rio Cuiaba konnten wir neben Riesen-Ottern unzählige Arten von Störchen, Raubvögeln und Reihern beobachten. Immer wieder faszinierte uns das Wahrzeichen des Pantanals, der Jabiru-Storch oder "Tuiuiu", wie die Einheimischen ihn nennen. Stellt euch zuletzt nur noch einen dieser wunderschönen Sonnenuntergänge im Pantanal vor, ehe wir es verlassen und zurück zum Flughafen nach "Cuiaba" fahren. Wir wollten noch in einem Geschäft eine Kleinigkeit einkaufen, als Meirice uns erklärt, dass wir aufpassen müssen, wenn wir die Straße überqueren, damit wir nicht überfallen werden. Jetzt sind wir wieder beim Thema Straßenkriminalität! Ein herzlicher Abschied folgte. Aber sie kommt im Frühjahr auf dem Weg zur ITB in Berlin bei uns in Schwangau vorbei und wir werden uns wiedersehen.

 

 Nun haben wir Belem im Norden Brasiliens erreicht. Eine furchtbare Stadt, in der man uns an jeder Ecke deutet, wir sollen als Nicht-Brasilianer verschwinden. Belem ist die Kurzform von Bethlehem, liegt am Amazonas und ist 140 km vom Atlantik entfernt. Wegen der unmittelbaren Nähe zum Äquator ist das Klima sehr schwül mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Der liebe Gott wird uns Recht geben, dass diese dreckige, unfreundliche und nicht nur für Touristen brandgefährliche Stadt diesem christlichen Vergleich zu keiner Zeit gerecht wird. Wir bewegten uns dort stets ohne Wertgegenstände und waren mit den sehr wirkungsvollen Pfeffersprays bewaffnet. Wir sind ja kampferprobt und haben bereits einen erfolgreichen Straßenkampf nach einem Überfall in Peru hinter uns. Trotzdem ist der Besuch des "Ver-o-Peso", dem traditionsreichsten Markt Amazoniens Pflicht. Für uns kam dazu - schau auf alles und jeden in deiner Umgebung! Die größte Gefahr sind nämlich die Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns - und das sind fast alle hier. Was für den Außenstehenden wie ein wirres Sammelsurium aus Tierknochen, Pülverchen, getrockneten Blättern, Wurzeln, Baumrinden, Essenzen und eingelegten Schlangen, Skorpionen und Insekten aussieht, ist für Einheimische oft die letzte Hoffnung gegen Krankheiten. Aberglaube und Kult der Ureinwohner spielen eine große Rolle in der "Grünen Apotheke Amazoniens", wie wir den Markt nennen. Wir befolgen den Rat der Einheimischen und trinken so oft wie möglich "Aqua de Coco", was sehr gut für die Regulierung der Verdauung sein soll. Wir halten uns streng an den Leitsatz: Geschältes und Gekochtes - iß es - sonst vergiß es! So trinken wir frischgepressten Saft der Acerola-Frucht, der vitamin-C-reichsten der Erde. Wir kennen sie nur als sehr teure Brausetaler aus dem Reformhaus. Wir sind froh, als unsere Fähre zu der 4-stündigen Überquerung eines Amazonasarmes ablegte. Ja, ihr habt euch nicht verlesen. 4 Stunden für eine Flußüberquerung, aber es ist ja nicht irgend ein Fluß - es ist der Amazonas. Ca. 150 Menschen auf einem nicht allzu grossen und vor allem nicht allzu vertrauenserweckend wirkenden Schiff. Wir wussten noch nicht, dass die Überquerung - bedingt durch Starkwind im offenen Wasser - 2 Meter hohe Wellen mit sich bringen würde. Das Schiff schaukelte sich auf und wir beteten, dass die oft bedrohliche Schräglage bei der nächsten Welle nicht in Seitenlage übergehen wird.

 

Unser Ziel war Ilha de Marajo, die größte Flußinsel der Welt mit der Größe der Schweiz. Urwald pur mitten im Amazonas-Delta. Wir trafen im kleinen Fischerdorf "Joanas" ein, dessen erster Eindruck uns doch sehr erschreckte. Doch es waren einfach nur die kärglichen Hütten der Einheimischen, denn die Menschen waren sehr freundlich. Wir waren mit zwei alten rostigen Fahrrädern auf den Lehmstraßen des Dorfes unterwegs. Hier spürt man sehr schnell: hier ist die Welt in Ordnung, vor allem, was auch die Sicherheit anbelangt. Es gelang uns, einen der Amazonas-Fischer zu überreden, uns am nächsten Tag mitzunehmen, um alles live mitzuerleben und natürlich auch, um zu filmen. Als wir am nächsten Tag den mit bis zu 2 Meter hohen Wellen aufgewühlten Amazonas sahen, war uns doch sehr mulmig, als wir auf das kleine Holzboot kletterten und mithalfen, den 1,5 m hohen Mast und ein blaues, zerrissenes Dreieckssegel zu setzen. Unser Fang konnte sich sehen lassen - wir können uns jetzt stolz "Pescadores des Amazonas" nennen. Belem war nurmehr Zwischenstation auf dem Weg nach Süden.

 

Wir freuten uns auf die Stadt Sao Luis mit ihrer Afro-Kultur und auf unsere Tour in den 1550 qkm großen "Parque National dos Lencois Maranhenses". Die 70 km lange pittoreske Dünenlandschaft wurde von den konstanten Seewinden wie ein Kunstwerk gestaltet und zieht sich bis zu 50 km ins Inland. Grüne und türkisblaue Lagunen liegen wie Farbklekse in den Dünen und geben das Bild eines vollkommenen Naturparadieses ab. Um es möglichst intensiv erleben zu können, fuhren wir mit dem Bus ins 270 km südlich von Sao Luis gelegene Städtchen "Barreirinhas". Wir bestiegen die "Barca-Linear", ein kleines hölzernes Linienboot, um in ca. 4 Stunden den Fluß bis zur Atlantikmündung hinabzufahren. Die Einheimischen nutzen dieses billige Fortbewegungsmittel, um in die entlegenen Flußdörfer zu gelangen, die sonst keine Anbindung haben. Die Fahrt wurde zum Erlebnis. Wir legten an Strandbänken und Ufern an, hupten und luden allerlei Dinge ab. Bezahlt wurde beim Capitano, dem auch manchmal etwas Essbares zugesteckt wurde. Direkt an der Atlantikmündung liegt unser Ziel: das Dorf "Atins". Das Leben dort ist so träge wie der Fluß, den wir eben hinuntergefahren sind. Wir aßen bei Kerzenlicht und nutzten die kurzen Zeiten, wenn Wasser aus der Leitung kam, zum Waschen und Duschen. Für die tiefschwarzen, freundlichen Menschen schien das Alltag zu sein. Bei unserem eintägigen Fußmarsch durch die Dünenlandschaft nahmen wir soviel Wasser mit, wie wir tragen konnten. Ein unglaubliches Gefühl, wenn inmitten der wunderschön gestalteten, bizzaren Sandberge der Zeiger der Psyche auf Negativ schaltet. Wenn zuvor das Besteigen Freude machte und wir noch beim Filmen rumblödelten, wurde es nach 5 Stunden in der sengenden Hitze zur Qual. Die Wärme der Sonne wird vom schneeweißen Sand zigfach reflektiert. Als wir abends unser Dorf erreichten, brauchten wir 3 Liter Wasser, um in Normalzustand zu kommen. Da für die Rückfahrt nach einigen Tagen keine "Barca" kam, nahmen wir eine nächtliche Fahrt mit einem Allrad-Truck in Kauf. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lange 3 Stunden auf einer Ladefläche voll mit Säcken von Nüssen, zwischen Styroporkisten mit Fisch und leeren Bierkisten sein können. Zudem mußten wir den wenigen Platz noch mit 8 Einheimischen teilen. Aber hier muß man eben nehmen, was kommt.

 

Weiter südlich sitzen wir mittlerweile draussen auf Morro de Sao Paulo, einer Insel mit 3 kleinen Orten. Hier ist Frühsommer mit Temperaturen um die 30 Grad, die uns durch den stetigen Seewind recht angenehm erscheinen. Wir haben natürlich die stehende Luft im Pantanal mit über 40 Grad noch nicht vergessen und können das Gejammer der Ankommenden europäischen Touristen über die Hitze hier nicht verstehen. Gut, sie waren 10-12 Stunden vorher noch zu Hause und spürten einen Temperaturunterschied von 20-30 Grad. Es gibt keine Autos und alles wird mit Booten und Maultieren transportiert. In den Orten, die nur eine 4-5 m breite, mit feinem Sand gefüllte Straße haben, kann man alle Dinge nur mit Schubkarren-Taxis befördern. Wir wohnen auf dem höchsten Punkt der Insel bei der deutschen Auswandererfamilie Bauer, die seit nunmehr 29 Jahren hier lebt und die Entwicklung der Insel von Anfang an miterlebt hat. Als sie sich für ihr neues Leben entschlossen haben, gab er hier weder Strom noch Tourismus. Wir können uns aussuchen, welche Strände wir entlangspazieren und wo wir abends eine leckere "Mocequa" essen. Sie wird in einer Gußpfanne serviert, kann aus Meeresfrüchten, Fisch, Krebs oder sonstigem bestehen und wird mit Palmöl und Kokosmilch zubereitet. Wenn die Pfannen nicht zu klein dafür wären, würden wir uns reinlegen, so sehr haben wir uns in dieses für Bahia typische Gericht der Afro-Brasilianer verliebt. Spätabends am Dorfstrand stellen die Einheimischen ca. 20 kunstvoll aufgebaute Obststände ins Karee, wo sie frische Fruchtdrinks mit Zuckerrohrschnaps mischen. Sie spielen Raggae oder Samba und schon bald tanzt ein buntgemischtes Knäuel von Menschen aller Hautfarben im Sand. Sieht man kurze Zeit später auf die Uhr, ist es meist schon 2 oder 3 Uhr und wir beeilten uns, den Berg hinauf und ins Bett zu kommen, um nicht den darauffolgenden Tag zu vergurken. Wir verließen schweren Herzens die Insel, irgendwie jedoch mit dem Gefühl, dass es kein Abschied für immer sein wird.

 

Wir verbrachten noch 2 Tage in Salvador, der Hauptstadt Bahias. Es ist die schwärzeste Stadt Brasiliens und ein Schmelztiegel europäischer, indigener und afrikanischer Religionen, Mythen, Traditionen und Kulturen. Das historische "Pelourinho", ein architektonisches Juwel, ist Unesco-Weltkulturerbe und macht die Stadt jedem bekannt wie ihr berühmter Straßenkarneval. Wir wollten am letzten Abend unbedingt den traditionsreichen "Copaeira-Tanz" sehen, bei dem es sich ursprünglich um eine Kampftechnik handelte, die afrikanische Sklaven nach Brasilien brachten.

 

Die Rythmen und die Menschen mit ihrer Leichtigkeit und dem Lachen, mit dem sie ihr oftmals nicht leichtes Leben leben, verabschieden uns und rufen uns nach: "Kommt wieder, wenn euch danach ist und vergesst nicht unsere Lebensphilosophie - ...es gibt für alles eine Lösung - auch wenn es hier manchmal etwas länger dauern kann!"